Das Kulturzentrum im Meierhof eröffnet am 2. Mai um 19 Uhr die Saison 2015 . Die erste Ausstellung zeigt Arbeiten des in 1958 in Steyer geborenen Alfred Grubbauer. Er ist einer der „stillen“, aber wesentlichen Künstler im Land. Er studierte an der Kunstuni in Linz und an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien. 1990 Studienaufenthalt in New York, schließlich Diplom bei Ursula Hübner in Linz. Er hat den Beruf eines Glasmalers ausgeübt. 2002 Auslandstipendium des Landes in Paliano, Italien. Von 2006 bis 2011 im Vorstand der Künstlervereinigung MAERZ. Arbeitsschwerpunkte sind Malerei und Zeichnung, Improvisationsmusik, Animationsfilm und Projekte im öffentlichen Raum. Zahlreiche Ausstellungen im In und Ausland. Wir zeigen neben Animationsfilmen und einer Installation die Grubbauer eigens für den Meierhof geschaffen hat auch Bilder des in Linz und im Mostviertel lebenden Künstlers. Zur Eröffnung gibt es auch live Ohrenkino mit TAFTVEGAS.


Ausstellungsrundgang des ORF


„Palimpsest“ – Kurzer Versuch über Alfred Grubbauer:

Palimpsest ( griech. „Schabtext“, Papyrus oder Pergamentstück, dessen ursprüngliche Beschreibung aus Materialersparnis durch schaben entfernt wurde, um das Blatt ein weiteres mal zu beschreiben und neue Bedeutungen aufnehmen zu können).

„Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Ansehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es.“ Novalis

„Romantik ist eine seit 200 Jahren nicht abreissende Suchbewegung, die der Säkularisierung der Aufklärung etwas entgegensetzen will . So versucht sich die Romantik gegen das Realitätsprinzip zu behaupten.“ Rüdiger Safranski

Der Kunstbetrachtung wurde hier schon mehrmals anempfohlen erst einmal aufzunehmen und zu verstehen, was sich und wie sich ein Künstler sein Bild von der Welt macht. Was wir sofort verstehen haben wir nicht gründlich genug durchdacht. Und nur was uns berührt läßt sich begreifen. Denn darum geht es immer noch und immer wieder im „Kunstzusammenhang“ : sich ein Bild zu machen von der uns umgebenden Welt in allen ihren Facetten. Sich dazu ins Verhältnis zu setzen, Strategien der Aneignung zu entwickeln und Strategien der Darstellung, der Repräsentanz. Da macht es schon einen Unterschied ob sich der eine etwa in einen Steinbruch setzt und versucht „Ausschnitte“ auf das mitgebrachte Format zu bringen oder ob einer sich mit medialen Abbildern die uns umstellen, die ja mittlerweile im Regelfall nicht mehr analog sondern als Datensatz kursieren, als Anhäufung digitaler Pixel, als Material und und Denkanlass nimmt und versucht zu verstehen, was das mit uns, also mit „einem“ macht. Und vor allem, was das für einen bildenden Künstler, der ja Bilder produziert, heißt.: wie müssen Bilder beschaffen sein, damit sie der beschreibbaren fortschreitenden Auflösung von geschichtlich gewachsener Identität, Gedächtnis und einer Erinnerung, die ja an substanzielle Realität von Orten und Gegenständen geknüpft sind, etwas entgegenstellen können ? Im einen Fall hat man es mit einem materiellen, „naturhaften“ Gegebenheiten zu tun, im anderen Fall speist sich Malerei aus einem Bildervorrat, der zwar auf Wirklichkeit verweist, ohne jedoch noch in einem direkten Kontakt mit ihr zu stehen. Man ist dann in der Welt der Semiotik, der Zeichen und der Verweise und Referenzen.

Manchmal ist es gut, erst einmal nichts, rein gar nichts zu wissen. Ich bin auf Alfred Grubbauer aufmerksam geworden, als ich im Linzer Ursulinenhof , genauer im Oberösterreichischen Kunstverein, der damals eine Schau der Künstlervereinigung MAERZ zeigte, einen Monitor hinter einer Schaufensterscheibe sah, der einen Animationsfilm von Alfred Grubbauer abspielte. Vielleicht, das kann ich nicht erinnern ein Namensschild, als Hinweis über Autor und Titel vielleicht, auf alle Fälle keine Tonspur. Ich stand gebannt davor und versuchte zu verstehen wovon in diesem Film aus gemalten und coputeranimierten Bildern die Rede sein könnte. Er hat sich eingebrannt und hat mich in seiner ganz eigentümlichen „Sprache“ lange, „verstörend“ beschäftigt. Die mir wichtigsten Qualitätsmerkmale in der Kunst sind jene Eigentümlichkeit, jenseits von „Mainstream Klischees“, Suggestivität und eine reflektorisch durchdrungene „Schönheit“. Lange später, habe ich gewagt dem mir „persönlich Unbekannten“ einen Brief zu schreiben und ihn zu dieser Ausstellung einzuladen.

Alfred Grubbauer einer der „stillen“, aber im Sinne des Skizzierten nach meinem Dafürhalten einer der relevantesten Künstler im Land. 1958 geboren in Steyr. Studien an der Kunstuni Linz und an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. Er hat den Beruf eines freien Glasmalers ausgeübt, 1990 Studienaufenthalt in New York, schließlich Diplom an der Kunstuni in Linz bei Ursula Hübner, 2002 Auslandsstipendium in Paliano, Italien. Von 2006 -11 im Vorstand der Künstlervereinigung MAERZ. Arbeitsschwerpunkte sind Malerei und Zeichnung, Improvisations-Musik, Animationsfilm und Projekte im öffentlichen Raum. Soweit die dürren Daten der Künstler Biographie.

Alfred Grubbauer eignet sich Bilderwelten an indem er sie abmalt. Aus „found footage“ Quellen wie Werbematerial, Fernsehbildern, Bildmaterial aus dem Internet usw. generiert er seine Bilder. Der Gefahr der Beliebigkeit entgeht er durch komplexe „Filterverfahren“. Ermöglicht ihm das Aneignungsverfahren des Abmalens die ästhetische Homogenisierung des Materials auf der Ebene der Form, so ermöglicht sie auf der Ebene des „Inhaltes“ die Thematisierung der jeder Malerei immanenten Frage nach Darstellung und Darstellbarkeit. Sein reduktiver Umgang mit den Bildmotiven produziert eine Gegenständlichkeit, der alle Substanz und körperliche Präsenz genommen scheint. Wie Schatten von Dingen und Körpern schweben die Malgegenstände durch den Bildraum, immer an der Grenze dazu sich in das Nichts aufzulösen, dem sie abgerungen wurden. Die Tatsache dass Grubbauer konsequent auf „vermitteltes“ Material aus Zeitungen bzw.einem öffentlichen Bilderfundus zurückgreift, macht deutlich wie sehr er sich dessen bewußt ist, daß jeder dokumentarische Vorgang bereits in sich selbst schon wieder einer medialen Interpretation unterliegt, also Bilder generiert, die wiederum auf andere Bilder zurückverweisen und die Realität dahinter nur mehr wie ein Palimpsest erscheinen lassen. Damit ist eine Situation darstellbar, in der nicht länger eine Welt der „Dinge“ Orientierung verheißt, sondern in der wir uns auf Derivate ( lat. „Abkömmlinge“, aus einem anderen Stoff Abgeleitetes), die Bezeichnungen, die Beschreibungen und als logische Folge aus diesem „Zerfallsprozeß“ (Dissoziation), der Krise des Realen - letztendlich auf die Zeichen der Zeichen verlassen müssen. Daß Finanzderivate die bislang realen Werte der Realwirtschaft im Bereich der Ökonomie überlagern und auflösen ist nur eine kleine Anmerkung nebenbei.

Ein anderes, „Beliebigkeit auschließendes Filterverfahren“ ist die in den Animationsfilmen angewandte Dramaturgie. Damit ist eine Spielanordnung, eine Erzählstruktur bezeichnet, die die in den in den letzten Jahren entstandenen Animationsfilme, die ja ein „multimediales Gesamtkunstwerk“ darstellen, bestimmen. Da kommen ja die „eingefrorenen“ Bilder, die gemalten Filmstills in Bewegung, werden Erzählung, werden integrativ mit Ton und Musikspur versehen, mit Text oder „Maps“-Verweisen. Auch hier geht es um das Hinhören, um das „Dazwischen“, das was sich abspielt zwischen Worten, Bildern, Tönen.. Auch hier Metamorphosen, Sukzessionen und Simultanitäten, also verdichtende Überlagerungen, im Film, letztlich im Kopf des Betrachters. Kluge „welthaltige“ Konzepte, umgesetzt mit der ihm eigenen alles zueinander in Beziehung versetzenden Behutsamkeit.

Stille, nicht auftrumpfende, schüchterne, zarte, kluge, über Wirklichkeiten nachdenkende, sinnstiftende, beziehungsstiftende, eigenständige, notwendige und mich berührende Kunst. „Wahrheit ist nichts anderes als das, was wir wahrnehmen.“ „Oder: „Nur was uns berührt, läßt sich begreifen“. Diese Sätze von Christoph Janacs schreibe ich Alfred Grubbauer`s Wahrnehmungsarbeit zu, auch wenn er wahrscheinlich nicht so apodiktisch formulieren würde.

Peter Laher
Schwertberg, 20. April 2015