Vernissage: 5. September 2014, 19 Uhr Ausstellung vom 5. September bis 31. Oktober geöffnet

Helmut Swoboda - ein Meister des Atmosphärischen

„Athmos“, griechisch Dampf, Dunst, Hauch. Diese vagen, fluiden, uneindeutigen Grenzbereiche lotet Helmut Swoboda mit den Mitteln und technischen Möglichkeiten der Malerei aus. Oft auch an der Wahrnehmungsschwelle. Keine Feststellungen, Fixierungen, Abbildungen sondern ein Aufenthalt im Grenzbereich des Wahrnehmbaren zwischen tiefem, absorbierendem Dunkelschwarz und Lichtreflexionen, Strömungen, Streuungen und Phosphoreszenzen. Malerei hat die Darstellung von Licht zum fundamentalsten Thema.
Bis heute weiß auch die Exakte Naturwissenschaft ja nicht zu sagen, was Licht eigentlich ist: Teilchen, wie sie Newton in seiner „Korpuskeltheorie“ vertrat, Welle wie Christiaan Huygens meinte, Elektromagnetische Welle wie Faraday nachwies, bis zur Quantenhypothese von Max Plank und Albert Einstein. Die Physik tappt also immer noch und genauso im Dunkeln bei den Erklärungsversuchen dieses für unsere Wahrnehmung so entscheidenden Phänomens. Schon bei den Griechen gab es konkurrierende Auffassungen: so meinte Empedokles die Augen würden gleichsam „Augenstrahlen“ aussenden, die die Gegenstände sichtbar machen würden. Pythagoras hingegen vertrat die These, dass die Gegenstände „Lichtteilchen“ freisetzen würden, die beim Auftreffen im Auge die Sichtbarkeit der Objekte evozieren würden.
Helmut Swobodas Bilder sind also auch Reflexionen über die grundsätzlichen Wahrnehmungsmöglichkeiten : sieht man etwas in die Welt hinein oder sieht man etwas aus der Welt heraus. Er hält auch die Beantwortung dieser Fragestellung offen und in der Schwebe. Für ihn ist Landschaft, das Naturschöne immer Ausgangspunkt, aber er visiert die Erscheinungen nicht an, um sie festzustellen, sondern ist an den ständigen Veränderungsprozessen und Wahrnehmungsverschiebungen interessiert.

Eva Horn beschreibt das in einem sehr lesenswerten Katalogbeitrag über die jüngere Bildproduktion von Helmut Swoboda wie folgt:
„Licht ist unsichtbar, wenn es nicht auf Körper fällt. Swobodas jüngste Bilder versuchen dem Licht selbst eine Textur zu verschaffen, einen Körper zu geben, sei es im Nebel, sei es im fließenden Wasser, in Wolken, in hellen Fäden von Regen auf grauem Grund. Dieses Licht, von dem die Antike glaubte, dass das Auge selbst es aussendet, um sehen zu können,wird zum eigentlichen Gegenstand der neueren Bilder. Werfen wir Licht auf das, was wir sehen? Wirft das, was wir sehen Licht auf uns? Licht einen Körper zu geben, Bewegung in sichtbarem Fluss zu halten, das Sehen zum Drama von Augen, Gefühl und Erkenntnis zu machen – vielleicht ist das die Essenz von Malerei.“